Kontaktlinsen zur Myopieprophylaxe

Kurzsichtige Eltern = kurzsichtige Kinder?

Viele kurzsichtige Eltern fragen sich: „Wird mein Kind auch kurzsichtig?“

Woher kommt Kurzsichtigkeit?

Die Ursachen der Kurzsichtigkeit sind bislang noch nicht restlos aufgeklärt. Es zeigen sich aber eine erbliche Komponente sowie ein Umwelteinfluss. Grundsätzlich ist es statistisch wahrscheinlicher, dass ein Kind mit kurzsichtigen Eltern auch kurzsichtig wird.
Auch externe Faktoren haben einen großen Einfluss und können das Längenwachstum des Augapfels anregen. Kurzsichtigkeit (Myopie) ist ja schlicht nichts anderes als ein zu lang geratener Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft des Auges. Somit entsteht das scharfe Bild nicht auf der Netzhaut, sondern davor.

Kann man Kurzsichtigkeit heilen? Was kann man gegen Kurzsichtigkeit tun?

Bereits früher gab es unterschiedliche Ansätze, um das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit zu stoppen. Hier sind unter anderem das Tragen von harten Kontaktlinsen, Gleitsichtbrillen oder ein gezielte Unterkorrektur der Kurzsichtigkeit zu erwähnen. Für alle diese Varianten gibt bis heute es keine hinreichenden Studienbelege bzw. eine gezielte Unterkorrektur zeigte sich z.T. sogar schädlich.

Nachtkontaktlinsen Ortho-KEine erste erfolgreiche Behandlung der Kurzsichtigkeit kam mit der Etablierung von Ortho K Kontaktlinsen (Orthokeratologie). Diese Linsen werden nur Nachts getragen und durch eine gezielte Umformung der Hornhaut wird tagsüber die Kurzsichtigkeit – ganz ohne Linse und Brille – ausgeglichen. Das ist an sich schon eine tolle Sache. Studien haben aber gezeigt, dass Kinder, die mit Ortho K Linsen ihre Kurzsichtigkeit korrigieren, im Vergleich zu anderen Kindern, die Brille oder normale Kontaktlinsen tragen, ein geringes Wachstum der Augenlänge aufweisen. Das bedeutet, die Kurzsichtigkeit nahm nicht so schnell zu wie bei den Kindern in der Kontrollgruppe.

Man konnte inzwischen beweisen, dass die periphere Netzhaut das Längenwachstum des Augapfels steuert. Durch die Ortho K Linse bleiben periphere Teile der Netzhaut kurzsichtig und somit wird das Auge nicht zu weiterem Längenwachstum angeregt. Einen vergleichbaren Effekt kann man auch durch speziell konzipierte, weiche oder formstabile Kontaktlinsen erzielen.
Egal ob Orthokeratologie (Nachtkontaktlinsen) oder spezielle Linsen zur Myopieprophylaxe, bei allen Systemen steht nicht nur das Stoppen der Kurzsichtigkeit im Vordergrund, sondern auch das deutliche Sehen. Die Kinder sehen genauso gut wie mit „normalen“ Kontaktlinsen, genießen freie Sicht ohne Brille. Für viele Teenager stehen Kontaktlinsen sowieso ganz oben auf der Wunschliste.

Ab welchem Alter können Kinder Kontaktlinsen zur Myopie-Prophylaxe tragen?

Das Auge ist mit 4 Jahren als Organ ausgewachsen. Eine Kurzsichtigkeit manifestiert sich meist im Teenageralter und die Prophylaxe sollte schon möglichst früh beginnen, da nur das Voranschreiten gebremst, der Prozess aber nicht umgekehrt werden kann. Sobald sich die Kurzsichtigkeit jedes halbe Jahr oder Jahr zunimmt, macht es Sinn mit der Prophylaxe zu beginnen. Wir legen Wert darauf, dass das Kind selbst die nötige Reife und den Willen hat, die Kontaktlinsen zu tragen und zu pflegen. Ab 12 Jahren ist es normalerweise gut möglich, es geht aber auch schon deutlich früher. Ob Ihr Kind dazu geeignet ist, finden wir gerne gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kind heraus.

Gibt es andere Möglichkeiten eine Kurzsichtigkeit zu stoppen bzw. die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit zu verhindern?

Der beste und einfachste Tipp:

Mehr Zeit draußen verbringen. Schicken Sie ihr Kind nach draußen zum Spielen! Studien haben bewiesen, dass Kinder, die häufiger draußen sind, weniger kurzsichtig sind. 1,5 bis zwei Stunden pro Tag im Freien sind bereits hilfreich. Früher hieß es immer, dass der klassische Bücherwurm eher kurzsichtig wird, heute weiß man, dass es nicht (nur) mit dem Lesen (Sehen auf kurze Distanz) zu tun hat, sondern mit der Zeit, die draußen verbracht wird. Natürlich schauen Kinder, die draußen sind tendenziell mehr in die Ferne, aber es kommen auch auf andere Faktoren, wie zum Beispiel das natürliche Sonnenlicht an.

Schlechte Sehgewohnheiten erkennen und ändern:

Unter dem sperrigen Begriff Sehhygiene verstecken sich Verhaltensweisen, die das visuelle System fördern und entlasten, z.B.

  • ausreichender Leseabstand, gerade elektronische Medien. Smartphone und co. werden meist zu nah ans Auge gehalten
  • Eine aufrechte Sitzhaltung z.B. auch unter Zuhilfenahme eines Lesepultes
  • regelmäßige Pausen bei den Schulaufgaben und auch bei Computerspielen
  • gute Beleuchtung in Tageslichtqualität

Weiche Kontaktlinsen und harte Kontaktlinsen

Ein vergleichbarer Effekt wie bei Ortho K Linsen lässt sich auch durch weiche oder harte Kontaktlinsen erzielen, die ganz normal tagsüber getragen werden.

Medikament gegen Kurzsichtigkeit

In der Myopie-Prophylaxe wird auch die Gabe von Atropin erfolgreich eingesetzt. Atropin ist ein Nervengift, das man z.B. in der Tollkirsche findet. Der medizinische Einsatz dieses Wirkstoffes hat eine lange Tradition. Atropin hemmt das parasympathische Nervensystem.
Gering dosiertes Atropin wird täglich getropft und kann das Voranschreiten der Kurzsichtigkeit stoppen. Studien zeigen recht gute Erfolge mit gering dosiertem Atropin (0,01 %). Die Entscheidung zur medikamentösen Behandlung der Kurzsichtigkeit sollte unter Abwägung der Vor- und Nachteile mit dem behandelnden Augenarzt erörtert werden. Aktuell ist Atropin zur Myopie-Prophylaxe nur als „off-label use“ in Deutschland möglich. Das bedeutet, dass ein Arzneimittel außerhalb des zugelassenen Gebrauchs verwendet wird.

Lochbrille oder Rasterbrille gegen Kurzsichtigkeit?

Immer wieder fragen uns Kunden, ob sie mit einer Loch- oder Rasterbrille Kurzsichtigkeit „weg“ trainieren können. Dabei geht es nicht nur um das Stoppen der Zunahme von Kurzsichtigkeit, sondern darum, die Kurzsichtigkeit zu „heilen“. Meist beziehen sich diese Fragen auf das Augentraining nach Bates. Es gibt aber auch andere, meist selbsternannte „Experten“, die eine Unterkorrektur der eigentlichen Stärke und Augenübungen empfehlen. Oft auch in Verbindung mit teuren Kursen. Für die Wirksamkeit dieser Methode(n) gibt es aber schlichtweg keinerlei wissenschaftlichen Belege, auch wenn dies von einigen behauptet wird. Die meisten Ratschläge berufen sich auf subjektive Einzelfallschilderungen oder schlichtweg falsche Darstellungen. Das Lesen und Sehen mit Loch- oder Rasterbrille ist sehr gewöhnungsbedürftig und sieht auch etwas befremdlich aus. Durch die einzelnen Löcher der Brille ist tatsächlich ohne Brille deutliches Sehen möglich. Grund hierfür ist der Lochblendeneffekt. Dieser physikalische Effekt ist schon lange bekannt und wurde zum Beispiel auch für den ersten Fotoapparat verwendet, die Lochkamera. Ein anhaltender Trainingseffekt ist aber nicht nachweisbar und auch nicht zu erwarten.

Hilft Myopie-Prophylaxe immer?

Eine Ortho-K Korrektur oder eine Spezialkontaktlinse ist keine Garantie dafür, dass im Einzelfall die das Fortschreiten der Myopie aufgehalten wird. Auch eine medikamentöse Behandlung funktioniert nicht in allen Fällen. Der Vorteil der Linsen: Sie erfüllen stets noch einen zusätzlichen Wunsch: Gutes Sehen ohne Brille.

Wir empfehlen deshalb für allen Kinder und Jugendlichen, die eine Linsenkorrektur wünschen und bei denen die Kurzsichtigkeit in regelmäßigen Abständen größer wird, Speziallinsen zur Myopie-Prophylaxe. Übrigens können auch Kinder unter 12 Jahren problemlos Kontaktlinsen tragen. Sie sollten aber drauf achten, dass die Linsen unter Zuhilfenahme moderner Messgeräte und Verwendung hochwertiger Materialen verantwortungsvoll angepasst werden. Gerne beraten wir Sie, welche Linsensysteme für Ihr Kind geeignet sind.

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